MESCHEDE.   Dartsspieler wollen wegkommen von ihrem Kneipenimage. Sie sind viel professioneller geworden – das zeigen die „Snow Raider“ in Meschede.

Für Frank Steffan, „Knolle“ genannt, ist der „Schwarze Peter“ das Heimstadion. Der Mescheder bestreitet dort mit seinem Team, dem „Snow Raider“, Spiele und Trainingseinheiten. „Es ist optimal hier. Der Raum ist groß und es können locker 16 Leute hier sitzen. Das reicht ohne Probleme, um zwei Mannschaften unterzubringen“, so der Teamkapitän. Von der Bezeichnung „Kneipensport“ hält er wenig.

Getrunken wird überall

Die Kulisse sollte seiner Meinung nach keinen derartigen Einfluss auf das Image des Sportes haben. Schließlich stören sich die Zuschauer vor den Fernsehgeräten auch nicht an dem Ruf der Sportart. Woher das schlechte Image stammt, kann sich Steffan nicht erklären.

„Getrunken wird doch überall. Ob in der Kneipe oder im eigenen Wohnzimmer. Dem Sport deswegen ein schlechtes Bild zu geben ist Unsinn, denn wir trinken Alkohol höchstens in geringen Mengen“, so der 51-Jährige. Er sagt außerdem, dass Darts keine Nebensache mehr ist, sondern ein Ligasport: Alkoholkonsum würde nur die Konzentration und Leistungen negativ beeinflussen.

Turniere in Hallen

Auf die Lokalitäten haben die Spieler dank finanzieller Begrenzung oft keinen Einfluss. Zwar besitzt fast jeder Spieler der „Snow Raider“ zu Trainingszwecken einen eigenen Darts-Automaten, jedoch würde die Gründung eines eigenen Vereinsheims oder das Anmieten eines eigenen Raumes zu viel Geld kosten. So sind die Spieler auf Kneipen angewiesen, die bereits über Automaten verfügen oder bereit sind, sich einen anzuschaffen.

„Insgesamt geht der Trend raus aus der Kneipe. Ab einem gewissen Niveau finden die Turniere in Hallen statt. Da ist der Schritt längst vollzogen“, weiß Michael Sandner, Vize-Präsident des Deutschen Dart- Verbandes. Er sagt, dass Sportvereine vermehrt in Nebenzimmern von Sportheimen zu finden sind.

Entspannte Atmosphäre

Gestört wird die Konzentration auch nicht durch singende und feiernde Zuschauer, wie es oft im Fernsehen zu sehen ist. Zwar würden Lebenspartner die Darter auch mal zu Spielen begleiten, aber von Menschenmassen fehlt jede Spur.

Das geht aber nicht zu Lasten der Stimmung. „Bei einem spannenden Spiel ist es das reinste Wechselbad, bei einem großen Klassenunterschied ist die Stimmung aufgelockerter. Bei großen Turnieren mit zehn Automaten ist es auch entsprechend laut“, beschreibt „Knolle“ die Atmosphäre.

Im Sauerland noch ausbaufähig

Das Problem ist auch Sandner nicht unbekannt: „Es ist schwer die Leute zu gewinnen, aber es ist wie bei der Frauen-Fußballbundesliga. An Anfang ist nix los und jetzt läuft es im Fernsehen. So gibt es auch bei Dartspielen immer wieder mal 80 Zuschauer.“

Die Stimmung begeistert zum Teil auch die Jugend. Sandner ist sich sicher, dass der Nachwuchs die Herren bald überholen wird. Als Beispiel nennt er Max Hopp, der bereits mit 16 Jahren Jugendeuropameister wurde.

Steffan findet die Situation im Sauerland aber „noch stark ausbaufähig“. Ihm begegnet nur wenig Begeisterung von Seiten der Jugend. Er sieht den Grund im noch mangelnden Bekanntheitsgrad der Sportart. Derzeit plant er, ein großes Darts-Turnier auf die Beine zu stellen, bei dem auch junge Spieler an die Pfeile herangeführt werden sollen, damit sie die Vorteile der Sportart kennenlernen können. Unter Umständen hat Darts bis dahin bereits den nächsten großen Schritt in Richtung globaler Bekanntheit gemacht.

Bald olympischer Sport?

Für die Pfeilewerfer wartet neben der Weltmeisterschaft vielleicht schon die nächst größere Bühne. Im Sommer fällt die Entscheidung, ob der Dart-Sport bei den World Games 2021 vertreten sein wird. Die World Games sind ein internationaler Wettkampf in Sportarten, die nicht zum Wettkampf-Programm der Olympischen Spiele gehören, aber dennoch eine hohe weltweite Verbreitung haben. Beispiele sind Boule oder Tauziehen. „Wenn dort der Sport auf viel Anklang trifft, dann ist der nächste Schritt Olympia“, erklärt Sandner. „Wir hoffen, dass alles klappt. Die Chance ist definitiv da.“